Die einzelnen Phasen der Trennung – Scheidung aus der emotionalen Perspektive
Jeder von uns hat in seinem Leben wohl schon einmal eine Trennung durchmachen müssen. Wenn wir eine Partnerschaft eingehen und Gefühle für einen anderen Menschen hegen, wünschen wir uns, dass es doch für immer so harmonisch bleiben könnte. Doch wie das Leben so spielt, werden Erwartungen oft enttäuscht und Gefühle schwinden. Trennung und Scheidung ist absolut keine Seltenheit. In unserem Land wird ungefähr jede dritte Ehe geschieden.
Jeder Mensch verarbeitet dieses schmerzhafte Lebensereignis auf seine eigene Art und Weise. Doch im Allgemeinen haben sich vier emotionale Phasen herauskristallisiert, die ein Mensch nach einer Trennung oder Scheidung durchläuft.
Die vier Trennungsphasen – vom Scherbenhaufen zu einem Neubeginn
Die Dauer der einzelnen emotionalen Trennungsphasen ist zeitlich nicht festgelegt. Es kommt auf den Einzelnen an, wie viele negative Gefühle, Schmerzen, Selbstzweifel und Enttäuschungen verarbeitet werden müssen. Viele Menschen leiden sehr lange nach einer Trennung und Scheidung. Andere stehen relativ schnell wieder zurück im Leben und gleichzeitig auch in einer neuen Partnerschaft. Wichtig ist in jedem Fall, sich ausreichend Zeit zu lassen, um die vergangene Partnerschaft und die daraus resultierten Wunden zu verarbeiten. Es hängt vom individuellen Typ, wie auch von der Art der Trennung und Scheidung ab, wie langsam oder schnell dieser Prozess vonstattengehen kann.
Des Weiteren gibt es keine klare Abgrenzung zwischen den einzelnen Phasen. Wer eine Trennung zu verarbeiten hat, kann sich auch zur gleichen Zeit in zwei verschiedenen Phasen befinden. Auch kann es immer wieder Rückschläge geben. Es kann also durchaus mal vorkommen, dass sich bereits abgeschlossene Phasen nochmals wiederholen. Diese Trennungs-Phasen sind nur eine Orientierung und keine fest vorgegebene „Bedienungsanleitung“ zum Verarbeiten von Trennung und Scheidung.
Die erste emotionale Phase der Trennung – Verleugnung
In vielen Fällen zeichnet sich eine Trennung langsam ab. Andauernde Streitereien, monatelange Konflikte – da ist es oftmals nicht verwunderlich, dass eines Tages die Partnerschaft am Ende ist. Wenn die Meinungsverschiedenheiten so tiefgehend sind und Konflikte nicht mehr zu bewältigen sind, kommt oft nur noch eine Scheidung in Betracht.
Doch in manchen Fällen kommt eine Trennung auch aus heiterem Himmel und völlig unvorhergesehen, z.B. wenn sich ein Partner „auswärts verliebt“.Es kommt in dieser Situation sehr häufig vor, dass der verlassene Teil es gar nicht wahrhaben kann und möchte, dass die Partnerschaft vorbei sein soll. Enttäuschung, Wut und Verzweiflung wirken lähmend und kombinieren sich mit dem heftigen Drang, das festhalten zu wollen, was man hatte. Hier wird um den Ex-Partner aktiv gekämpft und um einen Neuanfang gebeten. Blumen, Nachrichten oder Anrufe – es wird alles in der Macht stehende getan um den verlorenen Partner zurückzugewinnen.
Hier ist es besonders wichtig, mit Familie und Freunden über die Trennung zu sprechen und sich nicht in eine Traumwelt zu flüchten. Es ist heilend und hilfreich mit Menschen, die einem nahestehen, über den Schmerz und die enttäuschten Gefühle zu sprechen. Das hilft sehr stark, das Geschehene zu akzeptieren und nach vorne zu schauen. Des Weiteren ist es sehr ratsam den Kontakt zum Ex-Partner für eine Zeit lang abzubrechen. Dies lässt sich in der Regel auch realisieren, wenn ein Paar gemeinsame Kinder hat. Diese können beispielsweise auch bei Großeltern, Tanten oder Onkeln abgeholt werden. Es ist wohltuend sich eine Auszeit zu gönnen und hilft einen klaren Blick zu bekommen.
Die zweite emotionale Phase der Trennung – Aufbrechende Gefühle
Wenn es mal gelungen ist die gescheiterte Partnerschaft zu akzeptieren, beginnt die Trauerphase. Hier brechen unterschiedlichste Gefühle auf: Schmerzen, Wut, Zorn, Enttäuschung, Einsamkeit, Depression – die Palette der Stimmungsschwankungen ist breitgefächert. Im einen Moment wir optimistisch in die Zukunft geblickt und im nächsten Moment sind Trauer, Tränen und Schmerz zurück. Diese Phase der Trennung vermischt sich nicht selten mit der vorhergehenden. Es wird viel über die vergangene Beziehung nachgegrübelt, Gefühle analysiert und gemeinsame Erlebnisse in Gedanken nochmals durchlebt. Hier dominieren häufig die Sonnenstunden der gescheiterten Partnerschaft. Die Konflikte und schweren Zeiten werden eher in den Hintergrund gerückt. Die Ex-Beziehung wird idealisiert, was massive Selbstzweifel und teils tiefe Depressionen zur Folge hat.
Doch Kopf hoch! Wer in dieser Phase der Trennung angekommen ist, hat das Gröbste schon hinter sich. Die Trennung oder Scheidung ist akzeptiert. Jetzt geht es an das aktive Verarbeiten der Gefühle. Wichtig ist in jedem Fall, diese Gefühle zuzulassen und sie nicht zu verleugnen oder zu unterdrücken. Es ist äußerst ratsam in dieser Zeit auch das Haus zu verlassen, neuen Freizeitaktivitäten nachzugehen und sich nicht von der Außenwelt abzukapseln.
Die dritte emotionale Phase der Trennung – eine neue Orientierung für die Zukunft
In dieser Etappe kehrt die Lust am Leben wieder zurück. Selbstverständlich denkt man noch an die vergangene Partnerschaft und auch die Gefühle haben sich nicht in Luft aufgelöst. Doch die Gedanken und Gefühle werden zunehmend klarer und sind nicht mehr so schmerzhaft, wie in den Phasen davor. Es fließen nicht mehr gleich die Tränen, wenn einem ein Foto aus früheren glücklichen Zeiten in die Hände fällt oder wenn der Name des Ex-Partners erwähnt wird.…